Gekreuzigt

       

Gekreuzigte FrauEs war eine wunderbare Gegend. Sie würden einen wunderbaren Blick haben.

Hügel mit Gras und Heide, ein kleiner murmelnder Bach unterhalb des Platzes und der herrliche Blick über eine weite Meeresbucht. Kleine Baumgruppen auf den Hügelkuppen, Büsche an den Hängen und den Bach entlang, weite Riedfelder wo der Fluss in das Meer mündete.

Sie würden viel, viel Zeit haben jedes Detail zu betrachten.

Hier würde es also für die beiden Frauen zu Ende gehen. Hier auf einer geheim gehaltenen Insel. Geheim gehalten, damit die Kreuzigungen ungestört blieben. Die Delinquenten sollten ohne Wachen mit sich alleine in der Natur leiden. Um Versuche einer Rettung der Verurteilten zu vermeiden, dürfen nur wenige Personen den Ort der Kreuzigung kennen. Es gab zwei fest installierte Kameras, von denen jede auf ein Kreuz gerichtet war. Das Livebild würde im Internet, ein Zusammenschnitt eines jeden Tages im Fernsehen zu sehen sein.

Holzkreuze lagen amBoden. Ein kräftiger Vierkantbalken, vielleicht zwanzig Zentimeter stark und gut zwei Meter hoch mit einem Querholz fünfzehn Zentimeter stark und etwa anderthalb Meter lang. Unten war quer eine kurze Leiste befestigt.

Ihre Hände trugen sie auf den Rücken gefesselt, sie waren barfuss, trugen Fußeisen mit dreißig Zentimetern Kette. Sie würden sich nicht wehren, sie würden nicht weglaufen. Sie würden hier an diesem schönen sonnigen Hang gekreuzigt werden.

Silke wurden die Handschellen abgenommen. Sie musste Hemd und Unterhemd ausziehen. Silke wehrte sich. Sie schlug um sich. Die Henkersgehilfen packten zu, zwangen Silke die Arme auf den Rücken. Ihr Henker knöpfte ihr sorgsam ihr Hemd auf, zog ihr das Unterhemd aus der Hose. Die Gehilfen streiften Silke die Hemdsärmel ab, zogen ihr das Unterhemd aus. Silke zitterte, als die Frühsommerbrise ihre Brüste streichelte. Silkes Fußfesseln wurden abgenommen. Der Henker knöpfte die Hose auf und strich mit seinen Händen um Silkes Hüften, über ihre Backen und streifte ihr Hose und Unterhose herunter.

Silke war nackt. Einer der Gehilfen hatte das eine Kreuz inzwischen mit dem Kopfende auf einen niedrigen Bock gelegt, sodass es etwas schräg am Boden lag. Silke wurde zu ihrem Kreuz geführt. Die letzten Schritte! Die letzten Schritte auf Erden! Silkes Füße würden den Boden nicht mehr berühren, würden den Boden nie mehr berühren. Die zwei Henkersgehilfen hielten Silke immer noch fest im Griff mit auf den Rücken verdrehten Armen. Sie setzten sie auf den Holzbalken. Fühl nur das Holz! Du wirst tagelang nichts anderes mehr fühlen an deinem Hintern. Du wirst nie mehr etwas anderes fühlen. Silke kämpfte verzweifelt, kämpfte in Todesangst. Silke wurde auf den Rücken gelegt. Ihre Handgelenke wurden mit kurzen Stricken am Kreuz fixiert.

Und sie hielten sie fest. Silke bäumte sich auf. Die Nägel! Sie sah die Nägel. Silke schrie in ihrer Verzweiflung. Sie zappelte. Sie tobte. Sie konnte um sich treten, sich aufbäumen, sich hin und her werfen aber sie konnte ihre Hände nicht retten. Sie wurden fest an das Holz gepresst und erwarteten hilflos die Nägel.

Sie zeigten ihr die Nägel. Fünf Zoll lang, vielleicht acht Millimeter dick und sorgsam gespitzt. Ihr Henker kniete sich neben die linke Hand. Silke nahm sich noch ein letztes Mal zusammen. Sie redete auf ihn ein. Sie flehte. Sie bat darum, gebunden zu werden. Nicht nageln! Bitte nicht nageln. Der Henker setzte den Nagel auf die Handwurzel. Silke nässte ein vor Angst. Sie flehte. Der Henker hob den Hammer. Silke bettelte. Ihre Stimme kippte über. Sie kreischte. Der Hammer fiel. Ein harter trockener Schlag. Der Nagel drang durch die Haut, schob Knöchelchen beiseite, spaltete eine Sehne und drang ins Holz. Silkes Schrei erstickte. Sie japste nach Luft. Ihr Henker trieb den Nagel mit drei wuchtigen Schlägen ins Kreuz. Für die rechte Hand brauchte er vier Schläge.

Sie lösten die Stricke von den Handgelenken. Silke kreischte auf, als ihre Arme nur noch von den Nägeln gehalten wurden. Sie fiel kurz in Ohnmacht.

Sie ließen ihr einige Minuten zum Verschnaufen. Sie benetzten ihr die Lippen mit einem nassen Lappen, wischten ihr den Schweiß von der Stirn.

Silke war so weit wieder beisammen, dass sie um Gnade flehen konnte, betteln, winseln. Sie strampelte in Todesangst. Ihre Henker waren zu viert und Silke war an den Handgelenken an einen Holzbalken genagelt. Es war sehr kurz und sehr einfach. Sie zwangen Silkes Knie auf das Kreuz und drückten die Füße gegen die kurze Leiste. Dann fixierten sie die Fußgelenke mit einem Seil.

Auch hier nahmen sie sich die Zeit, der Delinquentin zu erklären, wie die Nägel die Füße durchbohren würden. Sie erklärten ihr auch, dass die Querleiste ihr ein Abstützen der Füße ermöglichen würde, damit sie ihre Arme entlasten kann. Das ist wichtig, weil sonst die Brustmuskulatur verkrampfen kann und das Atmen nicht mehr möglich wäre. Das langsame Sterben am Kreuz soll aber nicht durch vorzeitigen Ersticken abgekürzt werden.

Jule kniete gefesselt im Gras und sah voll Grauen zu, wie Silke für ihr Rendezvous mit ihrem Tod fixiert wurde.

Der Henker setzte den Nagel auf dem Spann des linken Fußes an. Mit der Spitze zielte er schräg nach unten auf die Querleiste. Er schlug zu. Es war nicht recht eine Herausforderung einen Fünfzollnagel zwischen den Mittelfußknochen durch zu schlagen. Silke bäumte sich auf. Nach drei weiteren Schlägen war der erste Fuß fixiert.

Silke kreischte. Unbeeindruckt legte der Henker Ihr rechtes Bein über das Linke und schlug den letzten Nagel ein.

Silke dämmerte wieder weg.

Silke war ans Kreuz genagelt. Handgelenke und Spann waren von Nägeln durchbohrt und hielten Silkes Hände und Füße unbeweglich an ihrem Kreuz. Obwohl nur an Händen und Füßen fixiert, ließ ihr ihre Körperhaltung kaum eine Bewegungsmöglichkeit.

Jule wurde am Nacken gefasst. Der Henker führte sie zu ihrer Freundin. Jule stolperte in ihren Fußfesseln. Sie zitterte am ganzen Körper. Sie zwangen sie neben Silkes Kreuz auf die Knie. Dann sollte genau anschauen, was ihr gleich widerfahren würde. Jule zitterte jetzt unkontrolliert.

Jule war nicht mehr ganz beisammen. Ihre Fesseln wurden abgenommen. Sie entkleidete sich. Sie zitterte so sehr, dass sie ihr bei den Knöpfen ihrer Bluse helfen mussten. Jule stand nackt in der warmen Frühsommersonne. Sie zitterte am ganzen Körper. Ein Henkersgehilfe nahm sie sanft am Arm und führte sie zu ihrem Kreuz. Sie taumelte und stolperte benommen neben ihm her. Sanft aber bestimmt wurde Jule hingelegt. Sie bäumte sich auf, sie kämpfte in Todesangst. Sie waren zu viert gegen die hilflose junge Delinquentin. Der Kampf war kurz, heftig und ungleich. Jules Arme wurden fixiert, brutal nieder gedrückt.

Silke war aufgewacht. Sie lag auf dem Rücken und hörte die Schmerzensschreie ihrer Freundin. Sie konnte nicht hören, was zu Jule gesagt wurde aber sie hörte das entsetzliche Geräusch der Hammerschläge und Jules Schreie. Eine Hand! Die andere Hand! Jetzt drückten sie ihre Beine ans Holz. Jetzt erklärten sie ihr, wie sie leiden würde. Sie brachten die Füße in Position. Silke hörte, wie Jule um Gnade schrie und bettelte. Jetzt würden sie den Nagel ansetzen. Jules Schreie erstarben mit dem ersten Hammerschlag. Ein Knall und ein Schluchzen. Ein Knall und ein Schluchzen. Jules rechter Fuß wurde aufs Fußholz genagelt. Jule bekam eine kurze Pause gewährt, dann hörte Silke wie der andere Fuß angenagelt wurde. Anders als sie selbst, blieb Jule wach, als ihr zweiter Fuß genagelt wurde. Wieder hörte Silke die Schläge, wobei jeder Schlag von diesem furchtbaren Schluchzen begleitet wurde. Jule wimmerte. Leises Stimmengemurmel. Jule schluchzte immer noch. Die Hammerschläge waren verstummt nur Jules Schluchzen war noch zu hören. Ihre Freundin war fixiert!

Sie wurden aufgerichtet. Das Annageln des Körpers an das Kreuz ist eine unbeschreibliche Tortur. Es zwingt den Körper eine Haltung einzunehmen und hält ihn an den durchbohrten Gliedern in dieser Haltung. Wird das Opfer aber aufgestellt, so hängt es an den gequälten Gliedern. Die verursachten Qualen sind unbeschreiblich.

Silke war zuerst genagelt worden, so würde sie diesmal warten dürfen. Silke konnte immer noch nicht sehen, was da schräg hinter ihr passierte aber die Geräusche erzählten eine furchtbare Geschichte. Jule stöhnte, als ihr Kreuz angehoben wurde. Ein Ruck und ein schriller Schrei, als das untere Ende des Kreuzes an den Rand des Loches stieß. Dann wurde Jule aufgerichtet. Sie lag auf ihrem Kreuz. Sie lag auf ihrem schrägen Kreuz. Sie lag kaum mehr. Sie hatte keinen Halt mehr. Sie fühlte wie ihr Kreuz ins Loch glitt. Sie kreischte. Sie hatte keinen Halt mehr. Sie hatte das Gefühl zu fallen. Dann hing sie. Das durchbohrte Fleisch spannte an den Kanten der Nägel. Die schmale Leiste unter den Fersen war viel zu klein, um sich richtig darauf abstützen zu können. So hing ein Großteil ihres Gewichtes den Nägeln. Jule bäumte sich vor Schmerzen auf und verlor das Bewusstsein.

Sie kamen zu Silke. Silke urinierte vor Angst. Sie hatte gedacht, sie würde Todesqualen erleiden und dann vor sich hin vegetieren. Sie war nicht darauf vorbereitet, immer furchtbareren Torturen ausgesetzt zu werden. Sie fassten Silkes Kreuz. Sie hoben sie hoch. Das Kreuz bewegte sich, schaukelte. Silke winselte. Sie sah Jule aus dem Augenwinkel. Sie spürte, wie sich ihr Kopfende hob. Sie hatte keinen Halt auf dem Kreuz! Sie wollte sich fest halten, wollte sich abstützen. Ihre Finger zuckten unkontrolliert. Sie wollte Schreien aber das Entsetzen überwältigte sie. Sie stammelte unzusammenhängendes Zeug. Sie rutschte! Ihr Gesäß glitt über das Holz. Sie starrte in den Himmel. Sie sah den Horizont vorbei gleiten. Sie sah den Boden. Ihr Kreuz setzte mit einem sanften Ruck auf dem Boden des Loches auf. Silkes Becken schwang vor. Der Ruck erreichte die Füße! Silke versank im Dunkel.

Es gab Dutzende von Methoden Menschen zu kreuzigen. Man konnte das Leiden auf wenige furchtbare Minuten beschränken oder man konnte wie in Silkes und Jules Fall eine tagelange Qual erzwingen.

Häufig trat der Tod durch Ersticken ein oder wurde zumindest durch Erstickungsanfälle beschleunigt. Wenn ein Mensch an ausgestreckten Armen hängt, ist die Atmung erheblich erschwert. Die beiden Freundinnen würden länger zu leiden haben. Die Füße waren so angenagelt, dass Sie die Beine strecken und die Arme entlasten konnten. So konnten die beiden Delinquentinnen ungehindert atmen. Die Arme konnten den Körper dann allerdings nicht mehr tragen. Das Gewicht ruhte erbarmungslos auf den Füßen. Auch wenn dadurch die Schmerzen in den Füßen größer wurden, nahmen Sie diese Haltung instinktiv immer wieder ein. Das Urteil lautete auf Tod. Die Strafe aber würden die Schmerzen sein. Die Delinquentinnen konnten verdursten aber wenn es hinreichend regnen würde, würden sie einfach an Erschöpfung verenden. Wurde es zu kalt, würden sie erfrieren aber es war warm und sonnig. Ihnen würde wohl kein Tag erspart werden.

So oder so würden sie tagelang leiden, eh der Tod sie erlösen würde.

Silke tauchte langsam aus den Tiefen des Grauens auf.

Schmerzen in den Füßen, Schmerzen in den Händen. Silke kämpfte sich durch den Dämmer des Schmerzes, durch Abgründe und Höhlen. Sie kämpfte verzweifelt um einen wachen Augenblick.

Silke riss krampfhaft die Augen auf und in derselben Minute schlug das Grauen zu. Sie war wach! Sie war wach und der Horror war immer noch da. Das Grauen war real. Sie war wach und sie fühlte entsetzliche Schmerzen. Sie hätte in ihren furchtbarsten Träumen nicht gedacht, dass Füße so wehtun könnten. Sie schaute und sah grünes Gras über das Käfer liefen und ein Spinnlein krabbelte. Sie sah kleine Steine, Blumen, Sand, ihr rechtes Knie. Sie sah ihre Füße. Sie sah die Nägel. Sie sah dünne, schon braun eingetrocknete Rinnsal von Blut, die ihre Füße entlang gelaufen waren.

Sie riss den Kopf hoch. Weiße Wolken, die wie Watte über einen herrlich blauen Himmel trieben. Ein unanständig blaues Meer, grüne Hügel, dunkelgrüne Wälder, Schwalben und weit ab ein paar Möwen. Sie sah ein Holzkreuz an dem nackt und hilflos Jule hing. Jules Kopf baumelte vorn über. Ihre nackten Arme waren gestreckt und die Hände waren zu Klauen verkrampft. Die Köpfe der Nägel glänzten in der Sonne. Jules Knie waren gebeugt. Sie hing mit ihrem ganzen Gewicht nur an den Armen.

Silke sah zur Seite. Sie sah einen nackten Arm. Einen Arm, der von einem Nagel durch die Handwurzel an einem Holzbalken festgehalten wurde. Ihre Hände taten weh, taten so weh! Silke keuchte. Die Füße. Die Füße! Oh wenn sie doch nur für Sekunden die Hände auf die schmerzenden Füße hätte pressen können. Silke versuchte die gefolterten Füße zu entlasten. Sie knickte die Knie ein und lies ihren Oberkörper langsam nach unten gleiten bis sie die Arme gestreckt waren. Jetzt wurde das gesamte Gewicht von den Armen getragen. So verlagerte sie aber auch den Schmerz in die Arme und vor allem in die durchbohrten Handwurzeln. Es spannte in Schultern und Brustmuskulatur. Lange würde sie so nicht atmen können.

Stimmen! Silke schaute zur anderen Seite. Das saßen ihre Henker im Gras. Einer schaute auf, sah, dass sie wach war, sprach zu den anderen. Sie standen auf. Sie kamen zu ihr. Silke schluckte. Was würde jetzt noch kommen? Sie brachten Wasser und einen Lappen. Sie wuschen Silke. Erst das Gesicht, dann die Brüste, die Achseln, den Bauch, das Gesäß. Dann drückte der Henker den Lappen zwischen ihre Beine. Soweit es die gekreuzten Unterschenkel zuließen, drückte er die Beine auseinander und fuhr mit dem Lappen über ihre Schamlippen. Dabei lies er einen Finger ein Stück in ihre Vagina gleiten. Es war eine entsetzliche Erfahrung, hier fast bewegungsunfähig zu hängen und von ihren Henkern im Intimbereich gewaschen zu werden. Und sie war erregt. Sie hasste sich dafür, aber die Zärtlichkeiten erregten sie. Sie hing an Händen und Füßen genagelt zum Sterben an ein Kreuz fixiert und verspürte Lust! Silke weinte vor Scham. Zwei Finger drangen in sie ein, ein Daumen massierte ihren Kitzler. Silke stöhnte vor Lust.

Die furchtbaren Schmerzen in den durchbohrten Gliedern, die Hilflosigkeit, die Todesangst und die Lust addierten sich zu einem unvorstellbaren Gefühlsreigen. Silke zitterte vor Erregung, wimmerte vor Schmerzen, keuchte vor Lust. Ihr Henker besorgte es ihr mit seinen Fingern. Silke stöhnte. Ihre Füße! Sie hatte entsetzliche Schmerzen. Inzwischen liebkosten die andern mit Händen und Lippen behutsam ihren Hals, Po, Bauch und die Brüste. Die Mischung aus Zärtlichkeit und Grausamkeit war zu viel für sie. Diese Männer hatten vor nicht einmal einer viertel Stunde Nägel durch ihre nackten Glieder geschlagen, hatten sie zum Sterben fixiert. Jetzt reizten und stimulierten sie sie, zärtlich und vorsichtig. Ihre Peiniger führten sie sanft aber unausweichlich zum Orgasmus. Silke heulte. Sie quietschte vor Lust, sie schluchzte vor Schmerzen. Lust. Schmerz. Lust! Schmerz! Lustschmerz! Silke wurde hinweg gewirbelt von den Empfindungen, den Qualen, der Wonne.

Jule hatte mit namenlosem Grauen zugeschaut, wie ihre Freundin, nackt und wehrlos ans Kreuz genagelt, befummelt wurde. Dann kamen sie zu ihr! Jule schrie. Sie schrie, als sie sie berührten, sie streichelten, versuchten, an ihre intimsten Stelle zu kommen. Sie presste die Beine zusammen und schrie. Sie schrie bis sie das Bewusstsein verlor.

Komisch, Jule war immer die sexuell aktivere von beiden. Und hier wehrte sie sich, wollte nicht in den Genuss eines letzten Orgasmus kommen.

Silke brauchte lange, um aus dem Dämmer zu entkommen und als sie es fast geschafft hatte, versuchte sie alles, um den letzten Schritt zum wach sein zu vermeiden. Da waren aber diese nagenden Schmerzen in den durchbohrten Füßen, die sie immer wieder in die Realität riefen. Silke schlug die Augen auf. Sie hing nackt und hilflos an einem Holzkreuz. Sie war an diesem Kreuz sexuell berührt worden. Sie fühlte sich unendlich missbraucht und gedemütigt. Sie brauchte nur die Augen zu schließen und meinte die zärtlichen Hände an ihren Brüsten zu spüren.

Silke schüttelte es. Es schüttelte ihre Schenkel, ihre Füße!

Silkes Todeskampf hatte begonnen!

Die Füße! Silke weinte. Sie keuchte. Es kostete sie eine viertel Stunde zu realisieren, dass sie zur Bewegungsunfähigkeit verdammt war. Es kostete sie genau genommen zwanzig Sekunden das zu realisieren und vierzehn Minuten und vierzig Sekunden, um jeden Strohhalm der Hoffnung davon schwimmen zu sehen. Ihre Arme waren über die Schmerzgrenze hinaus gestreckt, das Atmen fiel schwer. Linderung konnte nur das Strecken der Beine bringen. Der Schmerz in den Füßen aber lähmte augenblicklich die Beine! Nur langsam konnte sie die die Beine strecken, den Oberkörper anheben und die Arme entlasten. Jetzt ruhte Ihr Gewicht auf den zwei Nägeln in den Füßen – und der Schmerz war auch dort. Jede Bewegung, jedes Zucken bewegte die Wunden in den Füßen. Sie konnte sich keine Sekunde Erleichterung verschaffen. Keine Sekunde in jeder folgenden Minute. Keine Minute in jeder folgenden Stunde. Keine Stunde an jedem folgenden Tag. Tagelang!

Sie würde bis zu ihrem Tode ihren gefolterten Gliedern keine Linderung verschaffen können und sie würde sich nicht mehr bewegen! Menschen müssen sich bewegen! Menschen, die zur Bewegungsunfähigkeit verurteilt sind, werden irrsinnig.

Silke konnte zucken und zittern. Das Spiel ihrer Muskeln würde ihr Blut am Zirkulieren halten. Sie würde nicht so rasch Thrombosen bekommen. Thrombosen bewirkten irgendwann Lungenembolien und erlösten das Opfer. Silke würde langsamer verenden.

Die Füße! Die Schmerzen!

Jules Kopf ruckte hoch. Jules Augen starrten sie an. In namenlosem Grauen aufgerissene Augen. Silke hatte zwanzig Minuten Vorsprung. Jule würde erst noch erkunden müssen, wie entsetzlich ihre Strafe war.

Jules Kopf sank nach vorne, müde, erschöpft.

Sie versuchten zu sprechen. Sie sagten ein paar Sätze. Belanglose Sätze. Alles was sie hätten sagen können war irgendwie belanglos in ihrer Lage. Für ihre Lage aber hatten sie keine Worte.

Sie sprachen. Sie stammelten. Dann schwiegen sie wieder. Was hätten sie sagen sollen? Sich von ihren Schmerzen erzählen? Sich beschreiben was für eine unvorstellbare Tortur Wadenkrämpfe waren? Es gab keine Worte, die beschrieben, was man fühlt wenn die Schenkel unkontrolliert Zittern und jedes Zittern die Füße foltert.

Ihre Füße! Silke realisierte, dass sie wimmerte. Schon die ganze Zeit? Sie glaubte heulen zu müssen aber es kamen keine Tränen mehr. Wie lange hing sie jetzt? Stunden! Stunden bestimmt! Sie fühlte ihre durchbohrten Handgelenke. Sie hatte Schmerzen dort, wo ihre Handwurzelknochen am Nagel rieben, aber es war erträglich. Ihre Hände hatten kaum etwas zu tragen, solange sie die Beine gestreckt hatte. Ihr Gewicht hing an ihren Füßen.

Silke schreckte hoch. Ein Käferchen hob brummend von ihrem Fuß ab. Der Ruck von Silkes Aufschrecken erreichte die Füße. Silke glaubte sterben zu müssen vor Schmerzen.

Silke hatte Durst. Eine kurze bestialische Qual und dann zu Tode vegetieren hatte Silke gedacht. Ihr dämmerte, dass das sich zu Tode vegetieren die Qual sein würde.

Es juckte! Silke heulte Rotz und Wasser. Sie hätte nie geglaubt, dass eine juckende Fußsohle einen Menschen wahnsinnig machen kann. Es konnte! Silke zuckte. Sie versuchte ihren Hinterkopf an das Kreuz zu schlagen, um sich Ablenkung zu verschaffen. Es tat weh, als der Hinterkopf den Querbalken traf aber der Fuß juckte immer noch. Sie wand sich. Schmerz und Wahnsinn tanzten um sie herum.

Es wurde dunkel. Silke sah hoch. Der Himmel war tiefblau und die Sonne hing schon tief über dem Meer. Es war ein atemberaubend schöner Anblick. Sie konnte jede Sekunde davon auskosten. Sie musste jede Sekunde davon auskosten. Sie war nackt an ein Holzkreuz genagelt. Ihre Hände und Füße waren durchbohrt, hielten ihren Körper unbeweglich fixiert. Sie erlebte jede Sekunde dieses Sonnenunterganges. Sie starrte bis sie das Meer nicht mehr sehen konnte, bis sie den Rand des Baches nicht mehr sah, bis sie ihre nackte gekreuzigte Freundin nicht mehr sah. Bis man die Hand nicht mehr vor Augen … Silke wimmerte. Ihre Hand war fünfzig Zentimeter neben ihren Augen. Jetzt und Morgen und Übermorgen und bis zu ihrem Tod würde ihre Hand fünfzig Zentimeter neben ihren Augen sein. Sie sah zur Seite. Sie konnte ihre Hand nicht mehr sehen. Sie sah nach unten. Sie konnte ihre Füße nicht mehr sehen. Schmerzen! Mit jeder Bewegung, mit jedem Zittern, quälte sie ihre gefolterten Füße. Irgendwo da unten im Dunkel lauerte das Grauen. Silke versuchte sie zu sehen. Sie riss ihre Augen auf, bis sie tränten. Da unten waren ihre Füße. Sie konnte sie nicht sehen, aber sie waren da. Sie versuchte sie sich vorzustellen: die kräftige Großzehe, die feine Perlenkette der kleinen Zehen, der flache Spann.

Der Spann! Silke schluckte. In ihrem Spann steckten Nägel, hielten ihre Füße starr und unbeweglich an diesem Holz. Die weiche weiße Haut ihrer Füße, der sanft geschwungene Spann. Sie hatte geschrien, als er durchbohrt wurde. Silke versuchte durch das Dunkel zu starren. Der eigene Körper fühlte sich seltsam unwirklich an, wenn man ihn nicht anfassen kann oder ihn bewegen. Sie spürte ihren Körper nicht mehr. Nicht wie man seinen Körper sonst spürt. Sie fühlte Schmerzen und ihr Verstand sagte ihr, dass da wo die Schmerzen waren ihre Füße sein mussten. Sie hätte nicht zu sagen vermocht, ob das dreißig Zentimeter weit weg war oder acht Meter.

Es war dunkel. Silke versuchte zu sehen. Versuchte es mit der Verzweiflung einer zum Tode verurteilten. Aber die Nacht war eben dunkel. Die glitzernden Sterne erhellten sie nicht und der Mond war neu und dunkel wie der Himmel selbst.

Schmerzen! Füße!

Sie musste eingedämmert sein.

Silke schreckte hoch. Das Hochschrecken erreichte die Handwurzeln, an denen nun wieder ihr Gewicht hing und jagte Wellen von Schmerz durch ihren gefolterten Körper. Ihr war kalt. Eiskalt! Es war stockdunkel. Sie hatte etwas gehört. Sie musste etwas gehört haben. Da! Wieder! Es war so ein unirdischer Laut. Wie ein seltsames, fremdartiges Tier, das einsam und verwundet ist. Jule wimmerte an ihrem Kreuz. Ihre Laute hatten nichts menschliches mehr an sich. Eine nackte, junge Delinquentin, die in einer kaltem, stockdunklen Neumondnacht an ein Kreuz genagelt auf die Erlösung durch den Tod wartet. Da war nichts menschliches daran. Silke schüttelte es. Silke schluchzte. Schütteln bewegte die Arme. Bewegte Arme bewegen die Handwurzel. Die Schmerzwelle klang ab.

Irgendwann musste es hell geworden sein. Als Silke erwachte, stand die Sonne schon hoch über dem Horizont. Silke sah zu Jule hinüber. Jule sah sie an, versuchte ein Lächeln, ein müdes Lächeln, dann sank ihr der Kopf nach vorne. Silke räusperte sich, schluckte, ließ es dann sein. Was hätte sie sagen sollen? ‚Guten Morgen! Gut geschlafen?’ Silke schluckte. Sie weinte leise vor sich hin. Aber von Jules Lächeln zehrte sie noch eine ganze Weile.

Die Sonne kam jetzt höher heraus. Sie wärmte die völlig verkrampften nackten Körper. Aber mit der Sonne kam auch der Durst.

Durst! Würde sie verdursten? Was war das eigentlich, verdursten? Ihre Lippen waren wund, ihre Zunge lag wie ein Stück Leder in ihrem Mund, ihr Hals tat weh. Sie sah zu Jule hinüber. Die Sonne schien schön und gnadenlos auf sie herab. Die Sonne hatte sie krebsrot gebrannt. Jules Kopf baumelte vorn über. Pendelte langsam hin und her. Pendelte seit Stunden schon. Wahnsinn? Erlösung? Silkes Kopf sank herab.

Menschen müssen sich bewegen! Silke stöhnte. Sie fühlte ihre Füße und Hände nicht mehr, wie man seine Füße und Hände fühlt. Sie sah Füße und sie wusste, dass diese Füße ihr gehörten und sie verstand, dass die Nägel, die in diesen Füßen steckten ihr weh taten. Sie starrte nach ihren Händen nach links und rechts. Dann wieder nach unten auf den rechten Fuß. Sie hatte noch nie so lange und ausgiebig diesen Fuß angeschaut. Sie sah jede feine Linie in der Haut. Sie sah die Stellen, wo die Haut fest und stark war vom Bahrfußlaufen, sah die Stellen, wo die Haut fein und zart war. Sie sah die feine empfindliche Zehenspitzen. Schöne Zehen! Sanft geschwungene Rundungen, Linien, die fein und harmonisch ineinander übergingen. Sie wollte den Großen Zeh bewegen. Der Zeh bewegte sich nicht. Der Zeh bewegte sich nicht! Die Luft bewegte sich um den Zeh. Der Zeh war mit seinem Fuß an ein Stück Holz genagelt, das Holz steckte fest in der Erde, die Erde raste durch das All. Mit dem Holz. Mit dem Zeh.

Silkes Kopf kam quälend langsam hoch. Man hat nicht oft Stunden lang Zeit einen Fuß anzuschauen. Silke war nicht mehr ganz da. Schmerz und Wahnsinn nagten an ihr.

Wenn nur die Füße nicht so weh täten!

Silke würde verdursten. Ihre Lippen waren rau wie Sandpapier, ihr Mund so trocken, dass jeder Versuch zu Schlucken zum Scheitern verurteilt war.

Es war warm. Eine stehende, brütende Wärme. Silke lief der Schweiß. Es machte einen wahnsinnig! Es machte einen buchstäblich wahnsinnig. Sie fühlte, wie sich der Schweiß im Grübchen zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt sammelte. Ganz langsam. Sie hing wieder an den Armen. Zucken oder zittern – mehr war nicht drin. Sie spürte den Tropfen, wenn das Grübchen überlief. Sie fühlte wie die Tropfen über die Schulter rannen, dann an der Seite entlang, den Rippenbögen folgend, immer weiter herab, in die Taille. Weiter und weiter hinab rann der Tropfen, über die Hüften und die Seite des Oberschenkels bis in den Spalt, wo ihr Bein gebeugt war. Weiter bis zum Knie rann der Tropfen. Die Tropfen kitzelten. Silke wartete das einer weiterlief. Der Tropfen verhielt kurz irgendwo an der achten oder neunten Rippe. Verhielt, vereinigte sich mit einem folgenden, lief weiter den bewegungslosen Körper hinab. Bewegen! Für Sekunden nur! Bewegen! Silke wimmerte. Sie hing still und unbeweglich an ihrem Kreuz. Der Schweiß ran über ihre nackte, von der Sonne versengte Haut. Silke fühlte die Schweißtropfen rinnen, fühlte, wie sie über ihre Haut liefen, sie kitzelten.

Es war brütend warm.

Regen! Bitte! Silkes Mund war staubtrocken und ihr lief immer noch der Schweiß. Jeder Tropfen brachte sie ihrem Ende naher. Es war schwül, die Hitze stand vor den Hügeln. Es musste regnen. Es musste einfach. Einen Schluck Wasser eh es zu Ende war – Bitte!

Über der See trieben Wolken heran, einzelne erst, dann Wolkenpakete. Immer höher türmten sich die Watteberge und immer dunkler. Der Himmel über dem Meer leuchtete. Hätte Silke noch Wasser zum Heulen gehabt, sie hätte geweint angesichts der unheimlichen und gewaltigen Schönheit. So brachte sie nur ein trockenes Würgen heraus. Der Himmel wetterleuchtete über dem Meer, wetterleuchtete in Gelb in grellem Orange in seltsamen Grüntonen. Weit draußen auf See rollten die Donner. Wind strich über die Höhen. Sanft und leise.

Die Dämmerung fiel und die fernen Blitze ließen die kurzen Phasen der Düsternis noch finsterer erscheinen.

Mit der Nacht kam der Regen. Ein krachendes und rollendes Sommergewitter. Die Wolkengebirge, die von Meer herangetrieben waren, leerten sich an den Hängen der Hügel. Es regnete nicht, es goss. Es prasselte auf den Rasen, auf die Heide, auf Büsche und Bäume. Es trommelte auf die uralten Steine, in den Bach, auf die Schieferplatten. Regenböen fegten durch die Ginsterbüsche, jagten über die Hügelkämme. Was sich verkriechen und verkrabbeln konnte duckte sich in Höhlen, in Nischen und unter Felsvorsprünge. Jule und Silke hingen nackt und unbeweglich in den tobenden Wassermassen. Die uralte Grundidee an der Kreuzigung ist, das Opfer nackt und schutzlos den Elementen preiszugeben. Silke fühlte nichts mehr außer dem Hämmern des Wassers auf ihre bloße Haut.

Sie legte den Kopf so weit in den Nacken, wie der Querbalken ihr erlaubte und ließ sich das erlösende Nass in den Mund rinnen.

Ein gleißender Blitz spaltete den Himmel in einem grellen Grün. Silke schreckte hoch. In dem unwirklichen Licht sah sie gestochen scharf Jules Kreuz, dunkel vor dem tintenschwarzen Himmel und in kränklichem, bleichem Grün, Jules nackten Körper. Jules Augen waren in namenloser Angst aufgerissen. Todesangst. Der Blitz verlosch, die beiden Freundinnen hingen in der Dunkelheit. Jede allein mit ihrer Angst und ihrem Tod.

Es goss für Stunden, dann regnete es, bis auch der Regen in ein sanftes unstetes Tröpfeln überging. Silke fror. Sie fror entsetzlich. Der Wind strich an ihren nassen, erschöpften Körper vorbei. Sie fror. Es schüttelte sie. Sie versuchte mit aller verbliebenen Kraft es zu unterdrücken. Es war nicht zu unterdrücken. Sie wusste was sie erwartete, eh sie sich dem Zittern hingab. Ihre gedehnten Arme zitterten, ihre Schultern und ihr überanstrengter Nacken zitterten, ihr Kopf pendelte haltlos hin und her, ihr Rumpf zitterte, ihre Oberschenkel zitterten, ihre Unterschenkel. Sie wand sich in ihren Qualen. Sie konnte das Zittern ihres Körpers nicht unterdrücken und mit jedem Zucken folterte sie ihre genagelten Hände und Füße. Sie meinte sterben zu müssen vor Schmerzen. Wenn ihr doch nur erlaubt wäre zu sterben.

Es wurde hell. Ein fahles Morgendämmern. Silke bemerkte, dass sie ihre Füße sehen konnte, dass sie den Boden ahnen konnte. Sie mühte ihren Kopf hoch. Ihre linke Hand war ein dunkler Schattenriss gegen den Himmel. Verkrampfte Finger, die unbeweglich etwas zu greifen schienen, Silke sah nach vorne. Jule war ein scharfer Schattenriss gegen den Morgenhimmel. Silke schauderte, ob der morbiden Schönheit des Anblicks. Jules Kreuz war noch völlig Schwarz in dem frühen Unlicht, ihr nackter, bleicher Körper zeichnete sich scharf konturiert ab. Schlanke, aber muskulöse Arme, auch nach zwei Tagen der Streckung immer noch schön mit sanft geschwungenen Konturen. Die Kreuzigung brachte Jules Körper wunderbar zur Geltung. Sie hing mit vorgewölbtem Becken, leicht im Hohlkreuz.

Das Hängen bescherte ihr eine noch schlankere Taille, ihr Bauch war fest und angespannt. Ihre Rippen zeichneten sich an den Seiten ab, sie präsentierte ihre Brüste. Kleine feste Brüste fast verborgen hinter dem Vorhang langer nasser brauner Haare, die von Jules nach vorne hängendem Kopf hingen. Ein Vorhang langer nasser Haare, der grade genug zeigte um die Schönheit dessen, was er verbarg ahnen zu lassen. Jules Beine waren leicht angewinkelt. Dunkler Flaum in ihrer Scham, stramme, kräftige Schenkel. Selbst Jules Füße waren immer noch schön. Schöne Füße. Gequälte Füße.

Silke schluckte. Sie hatte nie bemerkt, wie schön die Füße ihrer Freundin aussahen. Das feine Relief der Knöchelchen, die Jules Fußgelenk geformt hatten, kleine Kunstwerke aus Sehnen, Bändern und Knochen, beweglich. lebendig. Jetzt waren sie eingefroren in der Bewegung. Für immer fixiert in ihrer Haltung durch die Nägel. Sie sahen immer noch schön aus. Der Regen der Nacht hatte das trockene Blut von Jules Füßen gewaschen. Wie Silber glänzte der Kopf des Nagels über dem Spann.

Ein Wadenkrampf schüttelte Silke. Der Zauber zerriss in einer Woge von Schmerzen. Silkes Kopf sank nach vorn.

Warten. Warten auf den Tod. Es würde ein sonniger Tag werden. Einfach noch ein sonniger Tag. Nach dem Tag würde die Nacht kommen. Und, wenn sie am nächsten Morgen immer noch lebte, würde einfach wieder ein Tag kommen und eine neue Nacht. Immer weiter bis zum Ende. Die Kälte der Nacht, die Hitze der Tage und der Durst töteten ihren Körper. Die Schmerzen und die Hoffnungslosigkeit töteten ihren Geist. Es war schwer zu sagen, was zuerst am Ende sein würde.

Silke musste weggedämmert sein. Die Sonne brannte auf ihren Nacken, ihre Arme, ihre Oberschenkel. Es tat weh. Silke hieß den Schmerz willkommen. Eine Ablenkung von ihren gefolterten Füßen, ein Zeichen, dass sie noch lebte, noch spürte, noch empfand.

Silke schaute den Käfer an. Ein glänzender grüner Käfer. Sie sah, wie er langsam durch das Gras streifte, scheinbar ziellos. Es dauerte Stunden, bis Silke das komplexe Muster erfasste, nach dem der Käfer durch das Gras suchte, lichte Flecken umging und weiter nach Essbarem suchte. Silke war fasziniert. Nie sonst hatte sie Natur so intensiv erlebt. Sie sah dem Käfer stundenlang zu. Einfach weil sie nichts sonst tun konnte. Sie hatte nicht die Kraft den Kopf zu heben. Sie sah auf einen Punkt etwa fünfzehn Zentimeter vor dem Fuß ihres Kreuzes. Jeder Zentimeter den sie davon wegsehen wollte, bedeutete zusätzliche Qualen. Sie hatte ihm stundenlang zugesehen, sie hatte ihm einen Namen gegeben, sie fühlte sich ihm unendlich verbunden. Der Käfer ging weg. Er ging einfach weiter. Silkes Knie verdeckte ihn. Silke heulte. Sie wünschte mit aller Kraft, der Käfer möge wieder auftauchen. Er musste wieder auftauchen. Sie starrte auf den Platz vor ihrem rechten Knie, wo er verschwunden war, bis ihre Augen brannten.

Sie heulte, Krämpfe in den Waden. Silke schluchzte. Es schüttelte sie, schüttelte ihre Füße. Ihre Füße!

Silke versank in ihren Schmerzen.

Sie trank gierig, sie trank bis sie erlöst war von Durst der letzten Tage, sie setzte sich auf, griff nach … – die Hülle der Imagination zerbarst. Sie schreckte hoch. Der Schmerz rief sie zurück aus dem Reich der Träumer und der Halluzinationen an der Realität ihres Holzkreuzes.

Silke weinte.

Sie wurde immer wieder von Krämpfen geschüttelt. Sie wimmerte. Die Krämpfe brachten entsetzliche Schmerzen. Sie lag in der Sonne. Das leise Rauschen der Wellen säuselte sie in einen seichten, leichten Dämmerzustand. Sie lauschte den Stimmen der Leute am Strand. Sie griff nach ihrem Glas. Das Glas rutschte weg, rutschte den Tisch entlang. Silke setzte sich auf, griff nach dem Glas. Wieder zu kurz! Sie reckte sich. Sie reckte sich! Sie reckte sich bis an die Schmerzgrenze! Sie reckte sich … sie hing mit gereckten Armen am Kreuz. Kein Strand! Keine Stimmen! Keine Leute! Nur ihre Freundin hing einige wenige Meter entfernt an ein Holzkreuz genagelt und starb langsam.

Silke zitterte.

Ihre Füße taten weh.

Die von Nägeln durchbohrten Glieder töteten ganz langsam ihren Geist.

Es war wieder heiß. Sie schwitzte immer noch. Es war dunstig. Sie sah auf. Jules nackter Körper glänzte in der Sonne. Die Arme, der Bauch und Oberschenkel waren krebsrot. Sie hing ganz still. Fliegen krabbelten auf der wunden Haut der Arme herum. Silke packte das kalte Grausen. Jule war doch nicht … Silke wollte nicht allein sein, nicht allein verenden müssen. Wenigstens nicht mehr bei Bewusstsein sein, wenn die Freundin verendete. Jule zuckte mit den Armen. Die Fliegen summten einen Augenblick auf, nur um sich dann wieder niederzulassen. Silke seufzte vor Erleichterung.

Da kamen Leute den Hügel hoch! Silke hörte die Stimmen. Wanderer! Hier? Am Ende der Welt? Auf dieser unsäglich schönen und unsäglich einsamen Insel? Hier lebte sonst kein Mensch. Hier kam keine Fähre herüber. Da mussten Menschen sein! Silke hörte ihre Stimmen, hörte sie sprechen. Sie versuchte zu schreien. Die mussten gleich hier sein. Silke schluchzte vor Erleichterung. Die Stimmen!? Die mussten doch längst hier sein?! Silke starrte verzweifelt um sich. Der Wind strich durch die Ginsterbüsche. Das hohe Grass raschelte. Ein Raubvogel schrie irgendwo einsam und heiser. Hier war niemand außer ihnen! Sie hatte sie doch gehört! Hatte sie doch? Der Wahnsinn tastete ganz sacht und leise nach ihr.

Silke zitterte. Ihre Füße und Hände schmerzten entsetzlich.

Bewegen! Nur einmal! Einmal noch vor ihrem Tod sich bewegen! Silke wimmerte. Einen Arm nur! Vielleicht nur eine Hand! Bewegen! Vier Nägel nur! Vier Nägel verdammten sie zur Bewegungslosigkeit. Sie starrte ihre rechte Hand an. Beweg dich! Sie wünschte sich mit aller verbliebenen Kraft ihres Willens, dass die Hand sich bewegte, dass die Finger sich streckten. Die Hand hing am Holz wo sie vor zweieinhalb Tagen hingenagelt worden war und rührte sich nicht. Sie fühlte ihre Finger noch. Sie fühlte den Wind der die Finger umspielte. Sie fühlte die erste kühle Abendbriese in der nass geschwitzten Handfläche. Sie fühlte das Holz an ihrem Handrücken und die gequälten Muskeln ihres Unterarmes. Beweg dich! Beweg dich doch. Ihre Hand rührte sich nicht.

Silke schluckte.

Sie starrte ihren linken Fuß an, sah die Zehen an, ihre kleinen Zehen. Eine kurze Perlenschnur nur. Vier kleine Zehen. Bewegt euch. Bitte bewegt euch!

Silke heulte.

Wieso konnten ihre verfluchten Glieder in Krämpfen zittern und zucken, sich in Qualen winden und wenn sie nichts weiter wollte, als ein winziges Zappeln, rührten sie sich nicht mehr.

Silkes nackte Körper dörrte in der Sonne, verbrannte die letzten Reserven. Verbrannte jedes Fettpölsterchen um am Leben zu bleiben. Der Regen von Gestern Nacht war nur noch eine unwirkliche ferne Erinnerung. Ihr leerer Magen tat weh. Durst! Durst war schlimmer als Hunger. Sie litt zu sehr um wirklich Hunger zu spüren. Aber alles Leiden der Welt löschte nicht ihren Durst. Ihre Füße quälten sie.

Sie hörte Musik! Gar nicht weit weg! Weg! Doch! Da war sie wieder, lauter jetzt, viel näher. Silke gab sich der Musik hin. Irgendein Winkel in ihrem Hirn nörgelte, dass die Musik nicht echt war, dass Silkes nackter Körper an ein Holzkreuz genagelt war und starb. Aber Silke scherte sich nicht gar zu sehr darum. Sie lauschte der Musik, trieb mit den Melodien dahin. Von Zeit zu Zeit erinnerte ein kurzer bestialischer Schmerz sie daran, dass es noch eine andere Wirklichkeit gab da draußen, eine Wirklichkeit, in der ihre Füße verkrüppelt waren und an Nägeln an einem Kreuz hingen. Silke vermied es dieser unangenehmen Wirklichkeit zu Nahe zu kommen. Da draußen lauerte das Grauen – sie folgte der Musik.

Es wurde dunkel. Es wurde kalt

Silke trieb davon.

Ein Schrei! Ein Schrei jenseits von Begreifen oder Nachempfinden. Ein Geschöpf in Todesangst, ein Lebewesen in unsäglicher Qual. Silke schreckte hoch. Es dauerte einige Zeit, bis die Wellen von Schmerz, die ihre gefolterten Füße durch ihren Körper sandten, abklangen. Silke sah auf. Es wurde grade hell.

Jule zuckte und zappelte an ihrem Kreuz. Sie warf ihren Kopf von links nach rechts, von rechts nach links. Silke spürte ein Würgen im Bauch. Vor Jule flatterte aufgeregt, wütend und aggressiv eine Möwe umher. Silke schloss die Augen. Nein! Bitte – nein! Das war das furchtbare an diesem Todesurteil, dass die Qual immer schlimmer wurde, immer schlimmer, bis zum Ende. Sie hatten ihr gesagt, dass Verurteilten am Kreuz manchmal die Augen von Möwen oder Krähen ausgehackt werden. Sie hatten ihr erzählt, dass manchmal Wiesel am Kreuz hochklettern und das Fleisch von Armen oder Beinen essen. Jule hing nackt und wehrlos an ihrem Kreuz. Quer über der Wange unter dem linken Auge hatte sie eine blutende Wunde.

Jule quiekte wie ein Schwein, dass der Schlachter nicht richtig erwischt hat. Die Möwe flatterte, wütend und unschlüssig, hackte nach Jule, flatterte zurück, hackte. Jule kämpfte in Todesangst. Nicht die Augen! Nicht die Augen! Nicht blind den Tod erwarten müssen! Die Möwe schrie heiser und wütend, dann drehte sie flach über dem Boden ab, strich den Hügel herab über den Bach und hob sich mit langsamen Flügelschlägen in die Höhe, drehte dem Meer zu.

Jule zappelte immer noch, langsamer jetzt. Das Zappeln ging in ein Zittern über, haltlos und unkontrolliert. Jule würgte und würgte. Da war nichts in ihrem Bauch, was sie hätte erbrechen können aber der Würgereiz schüttelte und schüttelte sie. Sie würgte, zitterte und wimmerte dabei vor Qual. Silke sah die nackten Waden zittern und zucken, sah die Knöchel zucken, sah die Füße starr und fest aufs Holz genagelt.

Jules Kopf fiel nach vorne.

Sie bäumte sich noch mal auf, dann hing sie still.

Silke schluchzte, schluchzte haltlos vor sich hin. Die Möwe konnte wiederkommen. Allein oder mit fünfzig anderen. Sie konnten sie bei lebendigem Leibe zerhacken. Sie konnten das Fleisch aus ihren Armen hacken. Sie konnten ihnen die Waden zerstückeln, konnten die fixierten Füße bis auf die blanken Knochen abfressen. Sie konnten ihnen in einem unbedachten Augenblick die Augen aushacken.

Silke packte das Grauen. Das Rascheln im Gras. Das mochte ein Fuchs sein, ein Wiesel, ein Dachs. Silke hatte Gestern einen Fuchs gesehen in den Hügeln. Konnten Füchse klettern? Konnten Füchse sich einfach hoch genug strecken, um ihr die Knie zu zernagen?

Silke wollte kreischen, zappeln, toben, um sich schlagen. Nicht hilflos hier hängen! Nicht bei lebendigem Leibe von Tieren gefressen werden! Sterben wenn es denn sein sollte! Gerne sterben! Aber nicht so! Nicht hilflos auf das Ende warten müssen! Nicht hilflos hier hängen! Nicht so hilflos!

Silke schluchzte haltlos vor sich hin.

Silke winselte. Seit drei Tagen baumelte sie an diesem Kreuz. Seit drei Tagen schmerzten ihre zerstörten Füßeund Hände. Seit drei Tagen hatte sie sich kaum mehr bewegt. Seit drei Tagen hatte sie nichts mehr gegessen. Die Magenkrämpfe waren erträglich nur weil sie vor den Qualen, die sie noch erdulden musste verblassten. Die Sonne hatte sie versengt. Sie war halb verdurstet. Die genagelten Glieder quälten sie. Ohne Pause. Seit drei Tagen. Ohne Pause! Bewegen! Einmal nur! Den Ellenbogen oder das Knie! Die Schulter! Einmal nur! Bitte! Die zerschmetterten Handwurzeln taten weh, taten so entsetzlich weh.

Je weiter der Tag fortschritt desto schwieriger wurde es für Silke zu erkennen, in welcher Realität sie sich grade aufhielt. Jule war einfach weg gewesen. Silke hatte Stunden gebraucht bis sie wieder da war. Silke hatte aufgeschaut und da war einfach nur noch ein leeres Kreuz gewesen. Silke hatte immer noch sterbend an ihrem Kreuz gehangen. Ihre Handwurzeln waren durchbohrt. Die Füße waren an das Fußholz genagelt. Silke hing an ihrem Kreuz, zum Tode verurteilt und langsam sterbend nur Jule war einfach nicht mehr da. Man könnte sich kneifen in solch einer Situation, aber man kann sich nicht kneifen, wenn die Arme gestreckt an einen Holzbalken genagelt waren.

Das Furchtbarste für Silke war, dass sie mitbekam, wie ihr Hirn langsam versagte. Ihr war klar, dass Jule nicht kurz weggegangen sein würde. Sie sah das leere Kreuz und sie wusste, dass das Kreuz nicht leer war. Sie sah keine weißen Mäuse oder sonst etwas völlig entrücktes. Sie sah die Welt, wie sie sie seit dreieinhalb Tagen sah, nur ein Detail fehlte. Silke bäumte sich auf. Ein letzter verzweifelter Versuch. Silke sah die Wahl zwischen körperlicher Qual und psychischer Qual. Silke wollte mit wachem Geist verenden. Ein Ruck. Ein entsetzlicher kurzer Ruck. Die Füße! Als Silke wieder sehen konnte, war Jule wieder da.

Es wurde kühl. Es würde regnen heute Abend. Der Himmel hatte sich über den ganzen Nachmittag langsam zugezogen und als es zu dämmern begann und die Sonne sich weitab als fahlgelbe Scheibe zwischen Wolken und Horizont zeigte, begann es zu regnen. Die beiden Freundinnen hießen die ersten Tropfen willkommen. Sie kühlten die verbrannte Haut und benetzten die geschwollenen Zungen. Es wurde dunkler und kälter und es regnete. Regnete und regnete mit einer Gleichmütigkeit, die Schöneres und Schlimmeres gesehen hat als zwei nackte Delinquentinnen an ihren Kreuzen. Silke hasste die Nacht. Wenn sie ihren gefolterten Körper nicht mehr sehen konnte, war er auch nicht mehr da. Silke löste sich auf unter dem ewig gleiche Regen. Sie zerfloss. Löste sich einfach auf. Was blieb, war ein seltsames Zwischenwesen geknüpft aus Geist und Schmerzen. Silke löste sich auf.

Die Sonne kam heraus. Ein fahler dünner Streifen Licht am Horizont. Vier Tage am Kreuz. Silke atmete tief durch. Sie hörte Stimmen: „….gerettet, Amnestie, …Urteile ausgesetzt….“. Sie wusste, dass sie ihrem Gehirn nicht glauben konnte, riss die Augen auf und sah genau in die Sonne. Geblendet konnte Silke nichts erkennen. Sie spürte ihren Herzschlag stolpern, ihr Kopf fiel nach vorne.

Sie atmete aus, langsam…

Es waren Fälle von Korruption, Rechtsbeugung, Falschaussagen sowie Manipulation von Beweismitteln an verschiedenen Gerichten des Landes aufgedeckt worden. Das Justizministerium lies sofort alle geplanten und eventuell begonnen Leibesstrafen und Exekutionen aussetzen.

Obwohl nach vier Tagen kaum noch Hoffnung auf ein Überleben bestand, wurde eine Gruppe von Vollzugsbediensteten und Rettungsärzten wurde zu der geheimen Insel für Kreuzigungen gebracht, um die zur Zeit laufende Exekution zweier Frauen abzubrechen.

Als die Gruppe vom Strand zur Wiese mit den zwei Kreuzen lief, glaubten sie, zu spät zu kommen. Auf der Schulter der einen Frau saß eine Möwe und pickte ein großes Stück Fleisch aus dem Oberarm.

Die andere Frau hing regungslos mit offenen leeren Augen an ihrem Kreuz.

Die Kreuze wurden sofort umgelegt. Noch am liegenden Kreuz begannen die Ärzte sofort mit den Versuchen der Wiederbelebung.

Bei Jule war es zu spät, die Totenstarre hatte schon eingesetzt. Jule war in der Nacht gestorben.

Nach mehreren Stromstößen setzte Silkes Herzschlag wieder ein. Sie musste aber noch künstlich beatmet werden.

Vorsichtig entfernten die Helfer die Nägel, Die Wunden wurden gereinigt und verbunden. Während die Ärzte Silke für den Transport vorbereiteten, stellten die Beamten das Kreuz mit Jule wieder auf. Es wird hier stehen bleiben, bis die Tiere Jules toten Körper vollständig verwertet haben, Nur ein Häufchen Knochen wird nach ein paar Wochen übrig sein.

Nach ein paar Tagen kam Silke im Gefängniskrankenhaus wieder zu Bewustsein. Man erzählte ihr, was vorgefallen war. Man sagte ihr, dass ihr Fall neu untersucht und von neuen Leuten neu verhandelt würde.

Silke erschrak. Sie war schuldig, sie hatte im große Stiel mit Drogen gehandelt und darauf stand Tod durch Kreuzigung. Sie hatte Angst, dass sie das nun alles noch einmal durchmachen musste.

Silke verbrachte noch drei Wochen auf der Krankenstation. Von den Wunden, die die Nägel verursacht hatten, waren nur noch ganz kleine Narben zu sehen. Nur die rechte Hand bleib teilweise gelähmt, der Nagel hatte ein paar Nerven durchtrennt.

Eine weitere Woche verbrachte Silke in einer kleinen Zelle. Hier schrieb sie auf, wie sie ihre Kreuzigung erlebt hatte. Dann begann Silkes neuer Prozess. Die Prüfung der Beweismittel, Unterlagen und Aussagen früherer Zeugen ergab deren Korrektheit. Silkes Schuld und somit auch das frühere Urteil wurden bestätigt.

Silke hatte zum Zeitpunkt ihrer Rettung schon vier qualvolle Tage ans Kreuz genagelt hinter sich und war ohne Bewustsein. Nach Aussage des Arztes hätte sie das Bewustsein nicht mehr wiedererlangt. Es war fast kein Herzschlag mehr feststellbar und nur der Einsatz aller ärztlichen Kunst hatte sie ins Leben zurück geholt. Der Richter erkannte deshalb die Kreuzigung mit allen Qualen als vollzogen an. Es fehlte nur noch der Tod.

Dies sollte unmittelbar nach der Verhandlung durch Aufhängen mit langem Fall nachgeholt werden.

Silke nahm die Verlesung des Urteils kaum war. Die Angst vor einer weiteren Kreuzigung hatte ihre Sinne gelähmt. Irgendwie verstand sie aber doch, dass sie nun nur gehängt werden soll. Sie wusste, dass ein langer Fall sie ohne Qualen töten wurde. Die Schrie: „Danke…“

Die kurze Fahrt vom Gericht ins Gefängnis genoss Silke. Das Wissen, dass sie bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr leiden müsste, hatte für sie etwas sehr beruhigendes. Sie hatte schon am Kreuz unter Qualen mit dem Leben abgeschlossen. Ihre Rettung hatte sie keiner Begnadigung zu verdanken. Seit sie wusste, dass ihr Fall überprüft werden soll und des Ergebnis das gleiche sein würde, quälte sie die Angst vor dem Horror einer weiteren Kreuzigung. Nun konnte sie ihrem Ende gelassen entgegen sehen.

Als der Gefangenentransporter im Gefängnishof ankam, hatte der Henker seine Vorbereitungen gerade beendet. Er öffnete die Tür des Transporters, der rückwärts bis fast an die Treppe des Gefängnisgalgens heran gefahren war. Silke musste sich ausziehen. Dann griff der Henker sie am Arm und führte sie aus dem Transporter die Treppe zum Galgen hinauf.

Silke schaute nach oben. Die Schlinge, fast majestätisch hing sie da. Bei ihrem Anblick war Silke doch erschrocken und fing an, etwas zu zittern, ihre Schritte stockten. Das Seil über der Schlinge war in drei Windungen mit einem dünnen Faden zusammengehalten.

Oben angekommen fesselte der Henker Silkes Hände auf dem Rücken. Dann bat er sie, sich auf die Markierung der Falltür zu stellen. Dort fesselte er auch die Fußgelenke.

Er legte Silke die Schlinge um den Hals und zog sie locker zu.

Er fragte Silke, ob er das Urteil noch einmal verlesen soll. Silke hatte sich wieder gefasst und verneinte das. Silke war noch gar nicht darauf gefasst, da hatte der Henker schon den Hebel gezogen.

Rund zwei Meter freier Fall blieben Silke noch, etwas mehr als eine halbe Sekunde. Dann beendete das steife Seil den Fall ruckartig. Mit einem seltsamen Geräusch brach das Genick.

Der Tod tritt sofort ein. Eine Weile zuckte der Körper noch, unkontrollierte Muskelzuckungen. Urin lief zwischen Silkes Beinen herab und versickerte im Boden.

Es waren gerade mal vier Minuten seit dem Passieren des Gefängnistores vergangen. Vielleicht ist Silke jetzt wieder mit Jule zusammen?

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